Irgendwann reicht es nicht mehr, eine Flasche Grauburgunder im Supermarkt zu kaufen und sich dabei etwas zu denken. Man will wissen, wo der Wein herkommt, wie die Erde dort riecht, wie der Winzer erklärt, warum dieser Hang einen anderen Wein produziert als jener drei Meter weiter. Eine Weinreise gibt genau das. Aber damit sie mehr wird als ein Kurzurlaub mit zu vielen Verkostungen und zu wenig Schlaf, lohnt es sich, sie mit etwas Bedacht anzugehen.
Welche Region passt zu dir?
Deutschland hat 13 anerkannte Weinanbaugebiete, von der Mosel mit ihren steilen Schieferhängen bis zum Kaiserstuhl in Baden, wo der Boden vulkanischen Ursprungs ist. Jede Region hat einen eigenen Charakter, und das gilt nicht nur für den Wein selbst.
Die Mosel zieht eher ruhige Reisende an: kleine Dörfer, enge Kurven, jahrhundertealte Weingüter. Das Rheingau ist repräsentativer, mit großen Gütern und einer gewissen Ernsthaftigkeit in der Weinkultur. Die Pfalz dagegen ist zugänglicher, wärmer, unkomplizierter. Dort gibt es mehr Straußwirtschaften, längere Öffnungszeiten, ein lauteres Publikum. Franken wiederum bringt seinen Wein in der charakteristischen Bocksbeutel-Flasche und hat eine eigenständige, trockene Weinphilosophie, die Puristen schätzen.
Bevor du buchst, frag dich: Will ich wandern oder lieber Rad fahren? Bin ich alleine, zu zweit oder in einer Gruppe? Soll es entspannt und ländlich sein oder gibt es auch Stadtprogramm? Die Antworten steuern die Wahl der Region fast von selbst.
Der richtige Zeitpunkt
Die klassische Antwort lautet: Herbst, Lesezeit, Oktober. Das stimmt insofern, als dass die Weinberge dann am spektakulärsten aussehen und viele Weingüter Lesehelfertage oder Hoffeste anbieten. Wer selbst bei der Ernte mitarbeiten will, kann das auf manchen Gütern tatsächlich tun, für einen Tag oder eine Woche.
Was dabei oft vergessen wird: Der Herbst ist auch die teuerste und am stärksten besuchte Zeit. In der Pfalz oder an der Mosel sind Unterkünfte von Mitte September bis Ende Oktober teils Monate im Voraus ausgebucht. Wer flexibel ist, fährt im Juni oder Juli. Die Weinberge sind grün und üppig, die Straußwirtschaften geöffnet, und die Temperaturen in der Pfalz oder am Kaiserstuhl erreichen locker 30 Grad. Weinproben lassen sich das ganze Jahr über buchen, manche Güter machen das sogar im Winter, wenn die Weinberge kahl und ruhig sind.
Weinproben buchen: Was du vorher wissen solltest
Eine Weinprobe beim Winzer kostet je nach Güte und Umfang zwischen 10 und 35 Euro pro Person. Darin enthalten sind meistens fünf bis acht Weine, manchmal Brot, Käse oder regionale Kleinigkeiten. Wer einfach anklopft und hofft, hereingelassen zu werden, erlebt häufig geschlossene Türen. Die meisten kleinen Weingüter arbeiten auf Anmeldung, auch wenn die Website das nicht explizit verlangt.
Eine kurze E-Mail oder ein Anruf zwei bis drei Tage vorher reicht meistens. Dabei lohnt es sich, zu erwähnen, ob man eher an trockenen oder restsüßen Weinen interessiert ist, ob jemand in der Gruppe keinen Alkohol trinkt (viele Winzer haben Traubensaft oder Most), und wie viele Personen kommen. Das ist kein Luxus, sondern hilft dem Winzer beim Vorbereiten.
Für einen ersten Überblick, welche Regionen es gibt und wie sie sich voneinander unterscheiden, ist ein Blick auf eine Weinreise in Deutschland hilfreich, bevor man konkrete Weingüter recherchiert.
Übernachten und Essen
Viele Weingüter vermieten Ferienwohnungen oder Zimmer direkt auf dem Hof. Das ist praktisch und oft günstiger als Hotels in den Touristikorten. Man hat kurze Wege zur Verkostung, kann abends auf der Terrasse sitzen und die Weinberge anschauen, und kommt mit dem Winzer und seiner Familie ins Gespräch, was manchmal die interessantesten Gespräche des Urlaubs ergibt.
Wer kulinarisch planen will: In der Pfalz gibt es mehr Sterne-Restaurants pro Einwohner als in fast jeder anderen deutschen Region. Gleichzeitig ist die pfälzische Küche bodenständig, Saumagen, Flammkuchen, Leberknödel. Beides passt zusammen, wenn man einen Abend im Gourmetrestaurant und einen bei der Straußwirtschaft einplant.
Packliste für eine Weinreise
- Bequeme Schuhe für Weinbergwanderungen, keine weißen Turnschuhe
- Kleine Kühltasche für den Rücktransport von gekauften Flaschen
- Notizbuch oder Wein-App zum Festhalten von Favoriten
- Faltbarer Rucksack für Tagesausflüge zu Fuß oder per Rad
- Sonnenschutz, besonders im Sommer in Süd- und Südwestlagen
Wein kaufen und mitnehmen
Wer direkt beim Winzer kauft, zahlt oft weniger als im Einzelhandel und bekommt Jahrgänge, die außerhalb der Region kaum verfügbar sind. Ein Karton mit sechs Flaschen ist ein realistisches Limit für die Anreise mit dem Auto. Mit der Bahn wird es komplizierter: Weinflaschen müssen gut verpackt sein, und mehr als drei bis vier Flaschen im Gepäck werden schnell unpraktisch.
Manche Weingüter versenden direkt nach Hause, manchmal kostenlos ab einem bestimmten Bestellwert. Es lohnt sich, danach zu fragen, bevor man vor Ort kauft und schleppt.
Was eine Weinreise wirklich ausmacht
Am Ende geht es nicht darum, möglichst viele Weingüter abzuhaken oder ein möglichst vollständiges Bild einer Region zu bekommen. Eine gute Weinreise hat Leerzeit, einen Nachmittag auf einer Bank zwischen Rebzeilen, ein Gespräch, das sich ergibt, weil man einfach gefragt hat, wie der Wein so ein Jahr übersteht, wenn es keinen Regen gibt.
Diese Momente planen sich nicht. Aber sie entstehen eher, wenn man nicht versucht, an vier Tagen acht Weingüter, zwei Stadtbesichtigungen und eine geführte Wanderung unterzubringen. Weniger Programm, mehr Aufmerksamkeit, das ist das Rezept für eine Weinreise, an die man sich noch Jahre danach erinnert.


