Was ist Kartenlegen? Tarot, Lenormand und Kipper im Vergleich

Kartenlegen ist der Sammelbegriff für Deutungsverfahren, bei denen Karten mit festgelegter Symbolik als Gesprächs- und Reflexionsgrundlage dienen. In der Schweiz sind vor allem drei Systeme verbreitet: Tarot mit 78 Karten, Lenormand mit 36 Karten und die Kipperkarten, ein ebenfalls meist 36-teiliges Deck mit stark personenbezogener Bildsprache. Alle drei folgen unterschiedlichen Lesetraditionen – wer sie verwechselt, deutet mit dem falschen Werkzeug.

Kurz erklärt

  • Tarot arbeitet mit 78 Karten und archetypischen Bildmotiven, die auf psychologische Deutungsmodelle zurückgreifen.
  • Lenormand-Karten (36 Stück) zeigen konkrete Alltagssymbole und werden meist in festen Kombinationen gelegt.
  • Kipperkarten stellen Personen und soziale Situationen in den Mittelpunkt und stammen aus dem deutschsprachigen Raum des 19. Jahrhunderts.
  • In der Schweiz wird Kartenlegen überwiegend als persönliche Reflexionshilfe angeboten, häufig telefonisch, oft über Mehrwertdienst-Nummern.

Was ist Kartenlegen genau, und welche Systeme gibt es?

Kartenlegen bezeichnet die Deutung eines Kartenbilds oder einer Kartenkombination nach einem festen Symbolsystem. In der Praxis dominieren drei Traditionen: Tarot, Lenormand und Kipperkarten. Sie unterscheiden sich in Kartenzahl, Bildsprache und Fragestellung, folgen aber alle dem gleichen Grundprinzip einer strukturierten Legung.

Der Begriff selbst ist unscharf, weil er drei historisch getrennte Traditionen zusammenfasst. Tarot entwickelte sich ursprünglich als Kartenspiel im Italien des 15. Jahrhunderts und wurde erst später zum Deutungswerkzeug. Lenormand-Karten gehen auf ein 36-teiliges Konversationsspiel des frühen 19. Jahrhunderts zurück und sind nach der französischen Kartenlegerin Marie Anne Lenormand benannt, obwohl sie das heute bekannte Deck nachweislich nicht selbst entworfen hat. Kipperkarten stammen ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert, aus dem deutschsprachigen Raum, und legen den Fokus stärker auf Personen und deren Beziehungen zueinander als auf abstrakte Symbolik. Wer in der Schweiz nach „Kartenlegen“ sucht, trifft in aller Regel auf eines dieser drei Systeme oder eine Mischform.

Wie unterscheiden sich Tarot, Lenormand und Kipperkarten in Aufbau und Anwendung?

Tarot gliedert sich in 22 grosse und 56 kleine Arkana mit komplexer Symbolik, Lenormand nutzt 36 konkrete Alltagsmotive, Kipperkarten stellen Personen und Situationen erzählerisch dar. Die Wahl des Systems hängt von der Fragestellung ab.

System Kartenzahl Bildsprache Typischer Fokus
Tarot 78 (22 grosse, 56 kleine Arkana) Archetypisch, symbolreich Innere Prozesse, Lebensphasen
Lenormand 36 Konkret, alltagsnah Konkrete Ereignisse, Zeitachsen
Kipperkarten meist 36 Personenbezogen, narrativ Beziehungen, soziales Umfeld

In der Beratungspraxis werden die Systeme selten strikt getrennt verwendet. Eine Sitzung zu einer Beziehungsfrage kombiniert häufig Lenormand für die zeitliche Einordnung mit Kipperkarten für die beteiligten Personen. Tarot wiederum kommt öfter bei offenen, biografischen Fragestellungen zum Einsatz, weil die grossen Arkana Entwicklungsthemen wie Wandel, Krise oder Neuanfang abbilden. Sieben bis zehn Karten sind pro Legung üblich, wobei einfache Drei-Karten-Legungen für Tagesfragen und komplexe Kreuzlegungen mit bis zu 15 Karten für tiefergehende Fragestellungen zum Einsatz kommen.

Welche Legesysteme sind gebräuchlich, und wie liest man sie?

Am weitesten verbreitet sind die Drei-Karten-Legung für schnelle Fragen, das Keltische Kreuz mit zehn Karten für komplexe Themen und die Grosse Tafel im Lenormand mit allen 36 Karten für einen umfassenden Gesamtüberblick. Jedes System hat eigene Standard-Legungen.

Beim Keltischen Kreuz, einer der bekanntesten Tarot-Legungen, werden zehn Karten in einer festen Reihenfolge ausgelegt: Gegenwart, Herausforderung, Vergangenheit, Zukunft, bewusstes Ziel, unbewusster Einfluss, Selbstbild, Umfeld, Hoffnungen und Ängste sowie das mögliche Endergebnis. Diese Struktur stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und wird bis heute kaum verändert weitergegeben. Im Lenormand-System dominiert dagegen die Grosse Tafel: Alle 36 Karten werden in neun Reihen zu je vier Karten ausgelegt, wobei Position und Nachbarschaft der Karten über die Bedeutung entscheiden – ein Ansatz, der sich stark von der eher isolierten Einzelkarten-Deutung im Tarot unterscheidet. Kipperkarten wiederum nutzen häufig einfachere Drei- oder Fünf-Karten-Reihen, weil ihr Fokus auf Personen und deren aktuellem Umfeld eine übersichtlichere Struktur begünstigt als komplexe Tafellegungen.

Welche Rolle spielen psychologische Deutungsmodelle wie die Archetypenlehre beim Tarot?

Die Archetypenlehre des Psychiaters Carl Gustav Jung (1875–1961) liefert einen der meistzitierten Deutungsrahmen für Tarot-Symbolik, weil viele grosse Arkana wiederkehrende Urbilder wie den Narren, die Kaiserin oder den Tod abbilden. Sie ersetzt keine Definition, ergänzt sie aber.

Jung selbst hat Tarot nie systematisch erforscht, verwies aber in Vorlesungen und Briefen mehrfach auf die Kartenbilder als mögliche bildliche Entsprechungen archetypischer Muster aus dem kollektiven Unbewussten. Das C.G. Jung-Institut Zürich, 1948 gegründet und bis heute eine der zentralen Ausbildungsstätten für analytische Psychologie, greift diese Symbolsprache in Fortbildungen zur Traum- und Bildarbeit gelegentlich auf, ohne Tarot als klinisches Instrument zu führen. Für Kartenlegerinnen und Kartenleger bedeutet das: Die 22 grossen Arkana lassen sich als Landkarte psychischer Entwicklungsstufen lesen – vom Narren als Ausgangspunkt bis zur Welt als Symbol der Integration. Diese Lesart erklärt, warum Tarot in Beratungsgesprächen oft offener und psychologisch reflektierter eingesetzt wird als Lenormand oder Kipperkarten, die stärker auf konkrete Ereignisse zielen.

Wie läuft eine Kartenlegung in der Praxis ab, etwa in einer telefonischen Beratung?

Eine typische Sitzung dauert 15 bis 30 Minuten, beginnt mit einer offenen Fragestellung und endet mit einer Karten-basierten Einschätzung, die als Reflexionsimpuls, nicht als Prognose verstanden werden sollte. In der Schweiz läuft ein grosser Teil dieser Beratungen telefonisch.

Telefonische Kartenlegen-Angebote sind in der Schweiz als Mehrwertdienste organisiert und unterliegen der Aufsicht des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM), das Tariftransparenz und Preisangaben bei 0900- und 0901-Nummern vorschreibt. Anbieter wie GabeGottes aus Stans im Kanton Nidwalden, nach eigenen Angaben seit 1996 im Bereich spirituelle Beratung aktiv, bieten Kartenlegen telefonisch neben Hellsehen und Wahrsagen als eines von mehreren Beratungsformaten an und rechnen die Gespräche minutenbasiert ab. Solche Angebote ersetzen keine psychologische oder medizinische Behandlung, werden aber von einem Teil der Kundschaft als niedrigschwelliger erster Reflexionsraum genutzt, etwa bei Fragen zu Partnerschaft oder beruflicher Neuorientierung. Seriöse Anbieter kennzeichnen Preise pro Minute klar und weisen jugendschutzrechtliche Hinweise gemäss den BAKOM-Vorgaben aus.

Wichtiger Hinweis

Kartenlegen ist ein Deutungs- und Reflexionsangebot, keine wissenschaftlich validierte Methode und kein Ersatz für psychologische, medizinische oder rechtliche Beratung. Bei ernsthaften Lebenskrisen sollten Fachstellen oder Ärztinnen und Ärzte konsultiert werden.

Was kostet eine Kartenlegen-Sitzung in der Schweiz üblicherweise?

Telefonische Angebote liegen meist zwischen 2 und 3 CHF pro Minute, persönliche Sitzungen vor Ort zwischen 60 und 150 CHF pro Stunde, abhängig von Region und Anbieter. Seriöse Anbieter nennen den Minutenpreis vor Gesprächsbeginn.

Braucht man Vorwissen, um eine Kartenlegung zu verstehen?

Nein. Eine gute Kartenlegerin oder ein guter Kartenleger erklärt die gezogenen Karten im Gespräch. Grundkenntnisse helfen, sind aber für Ratsuchende nicht Voraussetzung, um von der Sitzung zu profitieren.

Ist Tarot dasselbe wie Wahrsagen?

Nicht zwangsläufig. Viele Kartenlegerinnen verstehen Tarot eher als Reflexionswerkzeug für aktuelle Lebensfragen denn als Zukunftsvorhersage, auch wenn beide Nutzungsweisen in der Praxis nebeneinander vorkommen.

Woran erkennt man in der Schweiz einen seriösen Anbieter?

An transparenten Preisen pro Minute, klarer Trennung von Beratung und Heilsversprechen, Jahren am Markt und dem Fehlen von Drohszenarien wie angeblichen Flüchen. Ein professionelles Impressum gehört ebenfalls dazu.

Kann man Kartenlegen selbst erlernen?

Ja. Für Lenormand und Kipperkarten reichen meist einige Wochen Übung mit den 36 Grundbedeutungen, während Tarot durch die 78 Karten und ihre archetypischen Bezüge deutlich mehr Lernaufwand erfordert, oft mehrere Monate bis Jahre bis zu einer sicheren freien Deutung.

Fazit

Tarot, Lenormand und Kipperkarten sind drei eigenständige Systeme mit unterschiedlicher Kartenzahl, Symbolik und Anwendungsschwerpunkt – wer sie kennt, kann besser einordnen, welches Format zur eigenen Frage passt. Während Lenormand und Kipperkarten auf konkrete Ereignisse und Personen zielen, öffnet Tarot durch seine archetypische Bildsprache einen breiteren, oft psychologisch gefärbten Deutungsraum. In der Schweiz wird ein erheblicher Teil dieser Beratungen telefonisch angeboten, etwa bei Anbietern wie GabeGottes, die Kartenlegen als eines von mehreren Formaten neben Hellsehen und Wahrsagen führen. Wer ein Angebot nutzt, sollte es als Reflexionshilfe verstehen, nicht als verbindliche Vorhersage.

Über die Redaktion: Dieser Beitrag stammt von der Redaktion Fachbeiträge und wurde auf Basis öffentlich zugänglicher Fachliteratur zu Kartenlegen-Traditionen sowie aktueller Recherche zu Anbieterstrukturen in der Schweiz erstellt.

Quellen:
c-g-jung-institut-zuerich.ch
bakom.admin.ch
gabegottes.ch
psychoessenz.de
astrolantis.de
esoterikforum.de

Stand: 29. August 2026

Autor

  • Matthias Bild

    Tara Hanke schreibt über Achtsamkeit, Selbstfindung und ein bewusstes Leben. Sie glaubt daran, dass Glück in den kleinen Momenten wohnt, und teilt Impulse, die im echten Alltag ankommen, ehrlich, warm und ohne Perfektionsdruck.

    Alle Beiträge ansehen

Kommentar verfassen