Sesamöl taucht in Pflegeanleitungen auf, die sich auf die ayurvedische Tradition berufen, genauso wie in modernen Clean-Beauty-Blogs. Das klingt zunächst nach Trend. Wer aber einen Blick auf die Zusammensetzung wirft, stellt fest: Hinter dem Öl steckt mehr als Marketing.
Was Sesamöl von anderen Pflegeölen unterscheidet
Sesamöl besteht zu etwa 40 bis 50 Prozent aus Linolsäure und zu etwa 35 bis 45 Prozent aus Ölsäure. Diese Kombination ist nicht außergewöhnlich, aber gut ausgewogen. Interessanter sind die sogenannten Lignane, vor allem Sesamin und Sesamolin. Diese fettlöslichen Verbindungen machen weniger als zwei Prozent des Öls aus, haben aber antioxidative Eigenschaften, die in Laborstudien messbar sind.
Hinzu kommt Vitamin E in Form von Tocopherolen. 100 Gramm Sesamöl enthalten je nach Herstellung zwischen einem und zwei Milligramm Tocopherole. Das ist kein Spitzenwert im Vergleich zu Weizenkeimöl, aber es trägt dazu bei, dass das Öl auf der Haut nicht sofort oxidiert und ranzig wird.
Unraffiniertes, kaltgepresstes Sesamöl hat dabei einen deutlichen Vorteil gegenüber dem raffinierten Typ: Es enthält mehr dieser sekundären Pflanzenstoffe. Raffiniertes Sesamöl wird zwar häufig in der Küche verwendet, für die Haut ist die unbehandelte Variante die bessere Wahl.
Wie das Öl auf der Haut wirkt
Sesamöl hat eine mittlere Konsistenz. Es zieht nicht so schnell ein wie Arganöl, hinterlässt aber keinen so schweren Film wie Rizinusöl. Auf trockener Haut schafft es eine Barriere, die Feuchtigkeitsverlust verlangsamt, ohne die Poren zu blockieren. Der Komedogenitätswert liegt bei etwa 3 von 5, was bedeutet: Bei zu Akne neigender, fettiger Haut ist Vorsicht angebracht.
Für Körper, Ellenbogen, Füße und trockene Beine ist es dagegen gut geeignet. Eine dünne Schicht nach der Dusche, aufgetragen auf noch leicht feuchte Haut, reicht meist aus. Die Feuchtigkeitsbindung funktioniert besser, wenn das Öl auf einen bereits etwas hydratisierten Untergrund trifft.
Wer nach konkreten Produkten sucht, findet bei Anbietern wie Sesamöl Haut kaltgepresste Varianten in unterschiedlichen Abfüllgrößen, was für den Einstieg praktisch ist, bevor man größere Mengen kauft.
Einsatzmöglichkeiten im Alltag
Sesamöl ist kein Alleskönner, hat aber einige Anwendungsbereiche, in denen es wirklich punktet:
- Körperpflege nach dem Baden: Auf feuchter Haut verteilen, kurz einziehen lassen. Besonders geeignet für Schienbeine, Unterarme und Dekolleté.
- Nagelpflege: Ein Tropfen täglich um das Nagelbett gerieben verbessert über mehrere Wochen das Erscheinungsbild spröder Nägel.
- Haaransatz und Kopfhaut: Kleine Mengen in die Kopfhaut einmassiert können bei trockener Kopfhaut Linderung bringen. Wichtig: wirklich sparsam dosieren, da das Öl sonst schwer auszuwaschen ist.
- Massageöl: Sesamöl eignet sich als Basisöl für Massagen, allein oder gemischt mit einem ätherischen Öl. Seine Viskosität macht es dabei griffiger als etwa Mandelöl.
- Lippenpflege: Ein winziger Tropfen auf den Lippen schützt bei trockener Luft oder Wind, ohne zu kleben.
Grenzen und Einschränkungen
Sesamöl ist kein Sonnenschutz. In einigen Quellen kursiert die Behauptung, es biete einen LSF von 2 bis 4. Das stimmt zwar in abgeschwächter Form, reicht aber als Schutz vor UV-Strahlung nicht aus. Wer im Sommer draußen ist, braucht weiterhin einen zertifizierten Lichtschutz.
Allergien gegen Sesam sind nicht selten und können auch bei äußerlicher Anwendung Reaktionen auslösen. Wer Sesamöl das erste Mal benutzt, sollte es 24 Stunden lang an einer kleinen Stelle testen, zum Beispiel an der Innenseite des Handgelenks.
Außerdem gilt: Sesamöl bleibt unversiegelt nicht ewig frisch. Bei sachgerechter Lagerung (dunkel, kühl, verschlossen) hält es etwa sechs bis zwölf Monate. Ein leicht ranziger Geruch ist ein sicheres Zeichen, dass das Öl nicht mehr verwendet werden sollte.
Rohes Sesam versus geröstetes Öl
Ein Punkt, der in der Pflege oft übersehen wird: Es gibt zwei grundlegend verschiedene Varianten. Das helle, kaltgepresste Sesamöl aus rohen Samen ist das, was für die Haut geeignet ist. Das dunkelbraune, nussig duftende geröstete Sesamöl aus der asiatischen Küche ist zwar dasselbe Ausgangsmaterial, hat durch den Röstprozess aber eine andere Zusammensetzung und einen intensiven Geruch. Es gehört in den Wok, nicht auf die Haut.
Fazit: Für wen lohnt sich Sesamöl wirklich?
Sesamöl ist kein Wundermittel, aber ein solides Pflegeöl mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein 100-Milliliter-Fläschchen kaltgepresstes Sesamöl kostet zwischen vier und zehn Euro, je nach Qualität und Anbieter. Im Vergleich zu manchen hochpreisigen Körperpflegeprodukten, die ähnliche Fettsäuren auf der Inhaltsstoffliste führen, ist das eine günstige Alternative.
Besonders sinnvoll ist der Einsatz für Menschen mit trockener bis normaler Haut, die ein natürliches Pflegeöl ohne lange Inhaltsstoffliste suchen. Wer empfindliche oder zu Unreinheiten neigende Haut hat, sollte erst testen und dann entscheiden. Der Aufwand ist gering, der Preis niedrig, und wer das Öl verträgt, hat ein vielseitig einsetzbares Produkt für Bad und Körperpflege gefunden.


